Sind neue Plattenspieler besser als alte?

Die Antwort ist (Spoiler Alert): Nein! Kein Plattenspieler in der Preisklasse bis 500€ ist mehr wert als ein gut gewarteter DUAL 1019 von 1965. Dazu sehen die Pro-jects, Music-Halls und neuen Duals aus wie ein Schlückchen Wasser in der Kurve, wenn man sie gegen einen Metallpanzer der sechziger Jahre stellt.

Wie kommt es zu meiner Aussage? Nun, ich habe mich in den letzten Jahren um eine möglichst perfekte analoge Tonwiedergabe gekümmert. Dazu habe ich mir einen Mission Cyrus 3 Verstärker gekauft und ihn komplett überholen lassen. Er hört sich fantastisch an. crisp und mit Punch – dazu rauschfrei. Ein tolles Teil. Um das Phonosignal zu entzerren habe ich mir einen Trigon Vanguard I zugelegt – in neuwertiger Verfassung. Auch dieses Gerät ist eine Perle – selbst der bereits sehr gute Entzerr-Vorverstärker im Cyrus 3 kommt an ihn nicht heran – schon allein, weil der Trigon Vanguard an das jeweilige Tonabnehmersystem anpassbar ist.

DUAL 1009 SeiteJa und dann habe ich mir einen Wilson & Benesch Circle mit Rega-Tonarm RB 303, Ortofon 2M Bronze gekauft. Alles zusammen für ein gutes Stück Geld. Das klingt auch alles traumhaft – keine Frage. Allerdings beschäftige ich mich nebenher und seit fünf Jahren mit der Restaurierung eines DUAL 1009 – der ersten HIFI-Maschine von DUAL aus dem Jahr 1963. Kein Antiskating, kein Tonarmlift – aber eine vollwertige Automatik.

Wenn ich den Spieler, den ich ohne Geld erhalten habe, neben den teuren Wilson & Bensch stelle und beide abwechselnd höre, muss ich mich schon arg anstrengen, um Unterschiede zu hören. Der DUAL ist für das oberflächliche Hören ebenbürtig – für mich keine Frage.

Natürlich hat er ein paar Tweaks erfahren:

  • Neues Reibrad (DUAL 201104): Das originale Reibrad war durch. Es trieb den Teller nicht mehr richtig an und musste ersetzt werden. Damals gab es das Reibrad NOS und damit läuft er auch heute noch gut.
  • Motorrevision: Der Motor war nicht gerade laut – aber ich wollte schauen, ob ich die Vibrationen reduziert bekomme – hab ich geschafft nach dieser Anleitung  (liegt hinter Login). Die Anleitung ist eine hochqualitative Step-by-Step-Anleitung. Klasse, dass sich da Leute so viel Mühe machen.
    Das Ergebnis ist toll. Der Motor brummt ganz wenig – damit gibt es weniger brummen, das sich auf das Reibrad und damit auf den Plattenteller und damit auf die Nadel übertragen kann.
  • Tonarminnenkabel erneuert und durchverkabelt:  Dazu habe ich Kabel von highend-online.eu verwendet. Hochwertiger geht es nicht. Ergebnis: Kein Brummen. Wirklich: Kein Brummen.
  • Zarge: Da der Spieler ohne Zarge kam, habe ich mir einen Bausatz sägen lassen von ebel Holztechnik. Den Bausatz muss man nur verleimen und die Spikes zur Entkoppelung einbauen. Die Zarge ist steif und verfügt über wenig „Luft“; d.h. wenig Vibrationsgefahr.
  • VTA Korrektur: Da der DUAL 1009 für Wechselbetrieb ausgelegt ist, ist der VTA (Vertical Tracking Angle) beim Spiel nur einer Schallplatte falsch. Deshalb müssen Abstandsrollen und ein angewinkeltes Holzplättchen den VTA korrigieren. Das funktioniert ebenfalls hervorragend.
  • Tonabnehemer: Tja. Ich hätte es nicht gedacht – aber das Audio Technica AT91, das Abnehmersystem, das knapp 20€ kostet. Das spielt wunderbar. Verzerrungsfrei, entspannt und farbenfroh.

IMG_8351Viele dieser Änderungen sind optional. Wichtig ist aber das Ergebnis. Der DUAL von 1963 klingt fast genauso gut wie ein Spieler aus der Neuzeit, der gut 1500€ Neupreis (zzgl. Tonarm) kostet. Für mich ist das erstaunlich und entlarvend. Warum muss man einen Spieler für 300€ und mehr kaufen, der schlechter verarbeitet ist als einer aus den 1970er Jahren? Dazu sehen die Dinger teilweise so puristisch aus, dass man sich schon fragen muss, wofür man soviel Geld ausgibt.

Meine Meinung und Aufforderung: Kauft Euch olle Kamellen – die sehen fantastisch aus (Elac Miracord 770H – mhhhhhh 😉 und machen fantastische Musik. Obendrein gibt es noch die Voll- und Wechselautomatik. Spart Geld, denkt nachhaltig und kauft Euch einen alten Dreher.

 



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