Die Nachweihnachtszeit ist Vinyl-Hörzeit

Euch allen erst mal ein frohes neues Jahr. Für mich hat das Jahr 2012 wunderbar begonnen, denn Geburtstag und Weihnachten folgten in kurzen Abständen und haben ein Meer von Amazon-Gutscheinen hervorgebracht. Und mit diesen Gutscheinen kann man nicht nur Vinyl kaufen, sondern (entsprechende Höhe vorrausgesetzt) auch die Technik, die zum Abspielen von Vinyl nötig ist :)

Es gab dieses Jahr zum ersten Mal ein tendenziell richtig gutes Tonabnehmersystem von Goldring – das 2100er der neuen Serie. Das ist noch im preislich vernünftigen Rahmen und bietet eine Menge Klang fürs Geld. Endlich kann ich mal Platten mit einem Abtaster hören und nicht – wie bisher – mit einer Nadel ;)

Passend zum Anlass der Lieferung habe ich meinen alten (guten) Thorens TD 290 MK 2 ausgemottet und das Goldring darunter montiert. Nach ein wenig Justage hatte ich ein wunderbar klingendes System, das so viele neue Klangfacetten aus den Vinyl-scheiben herausholt, dass ich nun wirklich nicht mehr an digitale Musik glaube :)

Neu in der Schallplattenchecker-Diskothek: Sigur Ros mit ihrem Live-Album Inni. Darüber schreibe ich in Kürze.
Jetzt widme ich mich wieder dem Altbestand und schaue, was sich alles noch so aus den Rillen lesen lässt.

2012 wird ein wunderbares Vinyl-Jahr!

Viele Grüße, Euer Schallplattenchecker



Schallplattenherstellung mit Schellack noch vor dem Vinyl

Matrize nach galvanischem ProzeßHabt Ihr Euch auch schon mal gefragt, wie Schallplatten eigentlich hergestellt werden? Leider ist die Vinyl-Schallplatte nicht mehr so stark im öffentlichen Bewußtsein, so dass es dazu keine Erklärungsvideos von der Sendung mit der Maus mehr geben wird. Schade auch. Aber es gibt ja auch noch die gute alte Vergangenheit und YouTube. Hier bin ich letztens auf zwei Clips gestoßen, die die Produktion von Schellackplatten (den schnell drehenden Schallplatten der Vor- und frühen Nachkriegszeit) zeigt. Der Film stammt von der US-amerikanischen Schallplattenfirma RCA (Radio Corporation of America) aus den 40er Jahren.

Besonders toll finde ich, dass damals die Aufnahme direkt auf die Lackplatte aufgezeichnet wurde – nicht, wie später üblich, erst auf Tonband. Eine Abmischung musste damit schon direkt bei der Aufnahme gemacht werden. Der Tonmeister sieht auch eher so aus, als ob er eine Rakete starten denn eine Schallplatte produzieren würde.

Was sich nicht sonderlich geändert hat über die Zeit, ist der galvanische Prozess, mit dem von der direkten Aufnahme Stempel produziert werden, mit denen das Schellack zu einer Platte gepresst wird – nur heute ist es eben Vinyl.

Der Sprecher hört sich übrigens so an, als ob er normalerweise Football-Spiele kommentieren würde – deshalb ist die Schilderung auch recht spannend geworden.

Viel Vergnügen,

Euer Schallplattenchecker



The Rip Tide – das neue Beirut Album auf hochwertigem Vinyl

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, wie ich überhaupt an Beirut gelangt bin. Von den vorherigen Alben “Gulag Orkestar”, “The Flying Club Cup” oder “March of the Zapotec and Realpole Holland” habe ich nichts mitbekommen, obwohl sich die Musik-Presse wohl die Finger vor lauter Begeisterung wund getippt hat. Naja, man muss ja auch nicht alles mitbekommen – zumindest nicht sofort. Hauptsache, ein so schönes Beirut Album wie “The Rip Tide” entgeht einem nicht.

Das Album basiert auf minimalistisch aufgebauten Tracks, die jeder für sich vor sich hin plätschert. Grundlage ist stets ein leicht in den Vordergrund gemischtes Drums-Set, das sich dadurch auch so anhört, als stünde es in einer Halle – und keiner würde zuhören. Dazu kommt häufig ein warmes Klavier, manchmal ein Akkordeon, ein kleines Brass-Orchester und manchmal auch ein Violine. Das alle sind Instrumente, die eher die Anlage zur leicht melancholischen Stimmung haben – und mit vereinten Kräften schaffen sie es auch, aus dem Beirut Album “The Rip Tide” eine Fernweh-Scheibe zu machen.

Den Titel-Track “The Rip Tide” zum Beispiel durchzieht ein wunderbar schwermütiges Bläserarrangement, das Zach Condon (Gründer, Frontmann und Gründer von Beirut) in einem Trompeten-Solo auslaufen lässt, dass ein wenig nach alten Heimatmelodien riecht. Und hier ist es legitim ;)

Und wo wir schon mal bei Zach Condon sind – seine Stimme klingt (obwohl erst 26 Jahre alt) traurig und betrübt. Selbst bei “Santa Fe” – dem “Floorshaker” des Beirut Albums – kommt seine Stimme nicht über den Neutralpunkt hinaus. Das macht aber nichts – schließlich ist jetzt Herbst. Und das passt. Meine Empfehlung ist, das Album unterwegs zu hören, wenn die Blätter rot-braun geworden sind und ein frischer Herbstwind geht. Dann zeigt Beirut, wie schön diese Jahreszeit ist und untermalt sie mit einem passenden Soundtrack.

Die Musik lässt sich auch prima mitnehmen, weil das Album nicht nur als (zugegeben wirklich hochwertiges) Vinyl erscheint, sondern auch noch mit einem Code  zum .mp3-Download. Das lässt über den etwas erhöhten Preis mit 23,99€ hinwegsehen. Die Qualität des Vinyls ist beachtenswert. Das Cover ist mit Stoff bespannt und zeigt eher scheu und spartanisch den Titel “The Rip Tide” und den Namen der Band. Beim ersten Auflegen habe ich besonders die Laufruhe und die Exaktheit der Vinyl-Scheibe bestaunt. So sollte Vinyl immer gepresst werden!

Hier kommt noch die Track-List und ein YouTube-Video – damit Ihr Euch Appetit holen könnt ;)

  1. A Candle’s Fire
  2. Santa Fe
  3. East Harlem
  4. Goshen
  5. Payne’s Bay
  6. The Rip Tide
  7. Vagabond
  8. The Peacock
  9. Port of Call

Euer Schallplattenchecker



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